SEXUALBERATUNG

Sexualität wird, gerade von uns Ärzten, immer noch stiefmütterlich und teilweise stark tabubehaftet behandelt nach dem Motto: Ist ja nicht soooo wichtig. (Insbesondere, aber lange nicht nur, gehört die Altersexualität dazu!)Weit gefehlt: Eine intakte, gut gelebte Sexualität ist etwas wunderbares, belebendes, erfrischendes – ein Lebenselexier. Sie entspannt, beruhigt, inspiriert, motiviert, senkt den Blutdruck und verbessert die Schlafqualität.

Nicht jede sexuelle Problematik muss medizinisch oder psychologisch behandelt werden; häufig sind beratende und/oder klärende Gespräche schon ausreichend. So sind viele Probleme allein durch fehlende Informationen über die große Variationsbreite des sexuellen Verhaltens bedingt oder durch sexuelle Idealnormen, die längst nicht mehr gültig sind. Der veränderte Umgang der Geschlechter miteinander hat neue sexuelle Verhaltensweisen mit sich gebracht, mit denen nicht alle gleich umgehen können – vor allem innerhalb von Paar- und Lebensgemeinschaften! So wird z.B. längst nicht mehr die Initiative zu sexuellen Kontakten nur vom Mann erwartet. Ungünstige äußere Lebensverhältnisse, die z.B. keinen Intimbereich zulassen oder Hemmungen, sich über sexuelle Wünsche und Bedürfnisse auszusprechen, können sexuelle Probleme verursachen. Solche und ähnliche Schwierigkeiten können durch kompetente Sexualberatung und Aussprache in Einzelgesprächen oder noch besser in Einzel-Paar-Workshops beseitigt werden – siehe dazu auch unsere spezielle Homepage www.paar-weise.ch!

STÖRUNGEN DER SEXUALFUNKTION
Von Störungen der sexuellen Funktion (sexuelle Dysfunktion) spricht man, wenn individuelle Ansprüche an eine erfüllte Sexualität nicht erreichbar oder erfüllt sind und die betroffene Person unter Leidensdruck steht. Dies berücksichtigt neben der körperlichen Reaktion (Störung der Sexualreaktion) auch subjektives Erleben sowie kulturelle und gesellschaftliche Vorstellungen von Sexualität. Der Begriff wird nicht verwendet für ein von der gesellschaftlichen Norm abweichendes Sexualverhalten, das glücklich und nicht zum Schaden anderer ausgelebt werden kann, sondern für Störungen der Sexualreaktion.

1. EREKTIONS- UND POTENZSTÖRUNGEN (erektile Dysfunktion)
Man spricht von einer erektilen Dysfunktion (ED) bzw. von Erektionsstörungen, wenn es einem Mann über einen gewissen Zeitraum hinweg nicht gelingt, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion (Versteifung) des Penis zu erreichen und/oder aufrecht zu erhalten.
Eine Erektion resultiert aus einem komplexen Zusammenspiel von einerseits psychischen, andererseits nervösen, hormonellen, vaskulären (=gefässbedingten) Faktoren. Dabei erhöht sich die Blutzufuhr zu den Penis-Schwellkörpern um ein Vielfaches, gleichzeitig ist der Blutabfluss stark gedrosselt, dadurch kommt es zu einer Blutansammlung in den Hohlräumen der Schwellkörper und damit zur Versteifung. Störungen dieser Mechanik können vielfältige Ursachen haben.

Ursachen
Generell wird zwischen psychologischen und organischen Ursachen unterschieden. Der Anteil psychologischer Ursachen ist bei bei jüngeren Patienten unter 35 Jahren mit 70% am häufigsten, je älter, um so dominanter werden organische Ursachen (bis zu 80% aller EDs).

Risikofaktoren
Diverse Risikofaktoren sowie Erkrankungen begünstigen die Entstehung und/oder Aufrechterhaltung einer erektilen Dysfunktion. Dazu gehören vor allem Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Arteriosklerose. So kann eine wiederholt auftretende Erektionsstörung durchaus als Vorbote eines Schlaganfalls oder Herzinfarkts angesehen werden, Abklärungen diesbezüglich sollten in jedem Fall durchgeführt werden. Weitere mögliche Ursachen sind Fettleibigkeit (Adipositas), Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Bluthochdruck, Gefässmissbildungen, Alkohol und insbesondere Nikotin im Übermass sowie Medikamente wie Beta-Blocker, Tranquilizer, Neuroleptika, Schlafmittel.

Diagnose
Zuerst gilt es einen Raum des Vertrauens zu schaffen, in dem sich der Gast tabufrei mitteilen kann. Danach ist das wichtigste Instrument die Anamnese (Befragung), denn nur diese kann die Weichenstellung für evtl. zusätzliche Untersuchungen stellen (Labor, Belastungs-EKG, 24h-Blutdruckmessung, Gefässuntersuchungen, Ultraschall, NPT).

Therapie
Ist eine organische Ursache gefunden, gilt es diese zu behandeln, aber auch Risiko- und Lifestyle-Faktoren zu optimieren (Körperfettregulation, Einstellung einer Zucker- oder Fettstoffwechselerkrankung, Behandlung eines Bluthochdrucks, körperliche Aktivität, Reduktion von Noxen wie Nikotin und Alkohol). Eine medikamentöse Begleittherapie ist oft sinnvoll, allein schon zur Minderung des Leistungsdrucks. Bei gleichzeitiger Einnahme gefässerweiternder Mittel ist sie aber kontraindiziert. Kann eine organische Ursache weitgehend ausgeschlossen werden, liegt mit grösster Wahrscheinlichkeit eine psychologische Störung vor. Dann ist eine gesprächstherapeutische Intervention die erste Behandlungs-option, da solche Erektionsstörungen auf psychosoziale und häufig paar-bezogene Ursachenfaktoren zurückzuführen sind. Unter Umständen sollte im gegenseitigen Einverständnis auch die Partnerin beigezogen werden.

2. STÖRUNGEN BEIM SAMENERGUSS
Beim vorzeitigen Samenerguss (ejaculatio praecox) verspürt der Patient kaum oder keine Kontrolle mehr über den zeitlichen Ablauf des Ejakulationsprozesses. Die Übergänge von normalen zu vorzeitigem Samenerguss sind fliessend, eindeutig gestört ist die Situation, wenn die Ejakulation vor dem vaginalen oder analen Einführen des Penis erfolgt oder nach weniger als zwei Minuten. Der vorzeitige Samenerguss ist u.a. vom Lebensalter abhängig, sexuell unerfahrene Männer mit schamvollem Erziehungshintergrund erleben ihn nicht selten zu Beginn einer sexuellen Beziehung. Mit zunehmendem Alter wird er seltener, kann aber immer noch beziehungsbelastend auftreten. Das Medikament Daxopetin (Priligy®) scheint vielversprechend zu sein - bewusst und richtig eingesetzt.

Fazit
Bei Störungen der Sexualität nicht einfach die Faust im Sack machen – von selber wird's fast nie besser. Sprechen Sie mit uns – Sie werden diesbezüglich Freunde treffen, unabhängig davon, ob als Frau oder Mann!